«Wir haben Bäume gepflanzt» ist eine klare Aussage. Sie beantwortet aber noch nicht, was aus diesen Bäumen geworden ist.
Für Unternehmen, die Aufforstungsprojekte unterstützen, beginnt die wichtigere Arbeit nach der Pflanzung. Stehen die Bäume später noch? Passt das Projekt zum Standort? Was verändert sich für Menschen, die dort leben und arbeiten? Und wer überprüft diese Fragen unabhängig von der eigenen Kommunikation?
Eine Pflanzzahl beschreibt eine Aktivität
Die Zahl gepflanzter Bäume kann zeigen, wie gross eine Aktion war. Sie ist noch kein Beleg für einen gesunden Wald oder eine positive Klimawirkung. Für eine Bewertung braucht es einen Ausgangszustand, klare Ziele und Beobachtungen über längere Zeit.
Die IUCN beschreibt die Wiederherstellung von Waldlandschaften ausdrücklich als mehr als Baumpflanzung: Es geht um ökologische Funktionen und um das Wohlergehen der Menschen in der Landschaft. Je nach Ort können auch natürliche Regeneration, Agroforst oder eine andere Landnutzung Teil der Lösung sein.
Das stellt eine einfache Frage an jedes Projekt: Warum ist gerade diese Massnahme an diesem Ort sinnvoll?
Was Wirkungskontrolle konkret leisten muss
Wer ein Projekt beurteilt, sollte zuerst unterscheiden, was getan wurde und was sich dadurch verändert hat. Gepflanzte Setzlinge sind eine Tätigkeit. Überlebende und sich entwickelnde Pflanzen sind ein späteres Ergebnis. Noch weiter reichen Fragen zur Biodiversität, zu Wasserressourcen und zu den Folgen für die lokale Bevölkerung.
Solche Ergebnisse lassen sich nicht durch einen einzigen Besuch oder ein Foto abschliessend beurteilen. Entscheidend sind nachvollziehbare Messpunkte, wiederholte Erhebungen und die Möglichkeit, aus schlechten Resultaten Konsequenzen zu ziehen. Wenn ein Ansatz nicht funktioniert, muss das Projekt angepasst werden können.
Nicholas Hänny beschreibt den Zielkonflikt einer Reise
Nicholas Hänny, CEO von NIKIN, ist laut seinen LinkedIn-Posts mit Kollegen nach Kenia gereist. Er will dort unter anderem erste von NIKIN unterstützte Pflanzungen ansehen, prüfen, wie viele Bäume noch stehen, die Partnerschaft mit One Tree Planted pflegen und mehr über Auswirkungen auf Biodiversität, Wasser und die Menschen vor Ort erfahren.
In einem zweiten Post benennt er die Gegenseite offen: Die Reise nach Nairobi verursacht Emissionen. Den CO₂-Ausstoss seines Hinflugs beziffert er selbst auf ungefähr eine halbe Tonne. Er fragt, ob die Prüfung vor Ort zu besseren Entscheidungen führen kann, obwohl dafür geflogen wird.
Aus den Posts lässt sich weder die tatsächliche Wirkung des Projekts noch eine Bilanz dieser Reise ableiten. Ob der Besuch nötig war und welche Erkenntnisse daraus folgen, müsste nach der Reise an konkreten Ergebnissen erkennbar werden.
Eine Reise braucht einen überprüfbaren Zweck
Vor-Ort-Besuche können Fragen sichtbar machen, die in einem Bericht nicht auffallen. Sie sind aber kein Ersatz für kontinuierliche Daten und für die Perspektive der Menschen, die am Standort leben. Ebenso sollte geprüft werden, welche Aufgaben lokale Partner übernehmen können und welche Gespräche oder Kontrollen auch aus der Ferne möglich sind.
Wer eine Reise mit Wirkungskontrolle begründet, kann ihren Zweck vorab festhalten: Welche offenen Fragen sollen beantwortet werden? Welche Entscheidungen hängen davon ab? Was wird nachher öffentlich dokumentiert? So lässt sich später beurteilen, ob aus dem Aufwand tatsächlich eine Verbesserung entstanden ist.
Glaubwürdigkeit zeigt sich nach der Pflanzung
Ein Unternehmen muss nicht behaupten, jede Massnahme sei ohne Widerspruch. Glaubwürdiger ist eine überprüfbare Darstellung: Was wurde getan, was ist noch unklar, welche Ergebnisse liegen vor und was wird wegen ihnen geändert?
Bei Aufforstung ist die einfache Zahl der Anfang einer Geschichte. Ihr Wert entsteht erst, wenn sich langfristige Wirkung nachvollziehen lässt – und wenn Unternehmen auch die eigenen Kosten dieser Prüfung offen einordnen.